Teil V: Der Ernstfall-Ordner für zu Hause

Das Krisenkapitel: Erst dein Kind, dann der Vorfall

Teil V: Der Ernstfall-Ordner für zu Hause

Das Krisenkapitel: Erst dein Kind, dann der Vorfall

Kapitel 32 von 42 · 1 Min. Lesezeit · 0% des Buches gelesen

Neu in dieser Ausgabe. Es entspricht Karte 13 des Eltern-Kartensets und gilt über allen anderen Protokollen dieses Buches.

Alles in diesem Buch handelt davon, einen Vorfall richtig zu bearbeiten. Dieses Kapitel handelt von dem Moment, in dem der Vorfall zweitrangig wird, weil es deinem Kind so schlecht geht, dass jeder Meldeweg warten muss. Dieser Moment ist seltener als die Angst davor, aber er ist real, und er ist der einzige, in dem Zögern wirklich gefährlich ist.

Die Warnsignale, hinschauen statt hoffen. Rückzug von Freunden, Hobbys, der Familie, deutlich mehr als übliche Pubertät. Sätze wie „es hat eh keinen Sinn“, „bald ist es vorbei“, „ohne mich wäre es leichter“. Das Verschenken wichtiger persönlicher Dinge, Verabschiedungs-Signale. Eine plötzliche, unheimliche Ruhe nach großer Verzweiflung. Wenn Essen, Schlaf und Schule gleichzeitig wegkippen. Keines dieser Zeichen ist für sich ein Beweis. Zusammen sind sie ein Grund zu handeln, nicht zu beobachten.

Was du tust, in dieser Reihenfolge. Erstens: ansprechen, ruhig und direkt. „Ich mache mir Sorgen um dich. Wie geht es dir wirklich?“ Die verbreitete Angst, direktes Nachfragen könne dein Kind „auf Ideen bringen“, ist durch die Forschung nicht gedeckt. Ruhiges, ernstes Nachfragen entlastet. Zweitens: dableiben. Bei Hinweisen auf akute Gefahr bleibt dein Kind nicht allein; deine Präsenz ist die erste Hilfe. Drittens: Hilfe holen, sofort, nicht irgendwann. Kinder- und jugendpsychiatrischer Dienst, Kinderärztin oder Kinderarzt, Beratungsstelle. Bei akuter Gefahr der Notruf 112 oder die nächste Klinik. Viertens: dranbleiben. Eine Krise endet nicht mit dem Ende des Vorfalls; die Tage und Wochen danach gehören dazu.

Was du nie tust. Bagatellisieren („so schlimm ist es doch nicht“). Vorwürfe machen. Dein Kind bei akuter Gefahr allein lassen. Warten, bis „es sich renkt“.

Die Nummern, die immer gelten: Notruf 112, TelefonSeelsorge 0800 111 0 111 (rund um die Uhr, auch für dich), Kinder- und Jugendtelefon 116 111, Elterntelefon 0800 111 0 550.

Du musst das nicht allein tragen, und dein Kind auch nicht. Hilfe zu holen ist kein Versagen. Es ist das, was gute Eltern tun.

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